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Wie erkenne ich eine Herzerkrankung beim Hund?
Antwort: oft erst zu
spät
. Eine Einführung in angeborene und erworbene
Herzerkrankungen beim Hund.
Eine Erfahrung aus der kardiologischen Sprechstunde ist,
dass sich ein Tierbesitzer nicht sicher darauf verlassen kann, dass sein Hund
herzgesund ist, auch wenn sich der Hund für den Halter normal
verhält.
Welche Risiken und Symptome gibt es denn? Erste
Krankheitssymptome zeigen die Hunde meistens erst, wenn die Erkrankung schon
ein bestimmtes Stadium erreicht hat. Dann treten klinische Symptome, diese
sind:
1. Husten bei Freude und
Aufregung 2. Atemprobleme schon bei geringer
Belastung (Dyspnoe) 3.
Leistungsschwäche auch bei nicht warmem Wetter 4.
Ohnmachtsanfälle (Synkope) 5. Blaue Zunge in Ruhe (Zyanose)
Der sogenannte "Herzhusten" ist bedingt durch
Wassereinlagerungen in der Lunge und/oder im Brustkorb. Er tritt besonders bei
Belastung, Aufregung und Freude auf und ist leise und kurz anstoßend ohne
Auswurf. Nicht zu verwechseln mit dem oft vorkommenden Würgehusten durch
Halsentzündungen.
Herzerkrankungen führen zu Atemnot durch
mangelnde Blutversorgung in den Organen. Wenn diese Atemnot (starke
atemsynchrone Bauchbewegungen) auftritt liegt bereits ein fortgeschrittenes
Stadium der Herzerkrankung vor.
Leistungsschwäche (z.B. bei sportlicher
Tätigkeit) ist ein Symptom, das viele Ursachen haben kann.
Herzerkrankungen sind hier häufig zu nennen. Aber nicht zu vergessen:
Gelenkerkrankungen, Lungenerkrankungen, Diabetes, hormonelle
Veränderungen, Tumore etc.
Ohnmachtsanfälle sind manchmal schwer von
epileptischen Anfällen zu unterscheiden. Kommt es durch
Herzveränderungen (wie z.B. Rhythmusstörungen) zu Pausen im
Herzschlag, dann wird das Gehirn zeitweise nicht mit Sauerstoff versorgt und
der Patient sackt schlaff in sich zusammen.
Eine blaue Zunge ist auch bei gesunden Hunden oft
bei Belastung zu sehen und ein völlig normales Phänomen. Nur eine
dauerhafte blaue Zunge, die auch in Ruhe nicht rosa wird, ist ein Hinweis auf
eine ernste Herz-oder Lungenerkrankung. Viele besorgte Hundebesitzer kommen in
die Herzsprechstunde und haben eine blaue Zunge bei ihrem Hund bemerkt. Nur
fünf von Hundert haben damit wirklich ein Problem entdeckt.
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Normale "blaue Zunge" bei einer
Bordeaux-Dogge
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6. Rassedisposition
Manchmal reicht es aus einen Hund zu besitzen, der
aufgrund seiner Rassezugehörigkeit ein erhöhtes Risiko in sich
birgt. Beispiel: der Dobermann. Nach neuesten Erkenntnissen besteht eine
50%ige Chance, dass ein Hund dieser Rasse in Deutschland eine
Herzmuskelerkrankung entwickelt. Beispiel: der Dackel. 70% der Dackel über
10 Jahre haben einen Herzbefund. (Informationsportale siehe unten) Wo kann ich mich über Risiken meines Hundes
informieren?
Zunächst ist es wichtig, sich über die
nachgewiesenen und dokumentierten Rassedispositionen zu erkundigen. Dafür
gibt es heute neben der einschlägigen Fachliteratur auch via Internet die
Möglichkeit sich in universitäre Datenbanken einzulinken und sich
über seine Hunderasse gezielt zu informieren.
Hier sind zwei verlässliche Internetquellen zu
nennen:
In diesen Datenbanken können Sie nachlesen, welche
Erkrankungen bei Ihrer Rasse schon einmal nachgewiesen wurden und/oder
gehäuft vorkommen. Wie kann man eine Herzerkrankung
diagnostizieren?
- Abhören des Herzens -
EKG - 24 Stunden EKG - Laboruntersuchung -
Ultraschall + Doppleruntersuchung -
Durchleuchtung
Wenn Sie sich nicht sicher sind ob ihr Hund herzkrank ist
oder er einer bestimmten Risikogruppe angehört, so suchen Sie zuerst Ihren
Haustierarzt auf. Hier wird der Hund zuerst allgemein untersucht, um auch
andere Ursachen der vorliegenden Beschwerden auszuschließen. Danach wird
das Herz des Hundes abgehört. Danach führt er weitere spezielle
Untersuchungen (Röntgen, EKG, US, etc.) durch und kommt zur Diagnose oder
wird Sie einem Spezialisten zuweisen. Beispiel: Mein
Welpe hat ein Herzgeräusch. Was tun?
Die meisten angeborenen Herzerkrankungen werden schon im
Welpenalter festgestellt. Die wichtigste Screeningmethode zur
Früherkennung der angeborenen Herzerkrankungen ist die Auskultation
(Abhören) beim Tierarzt zum Zeitpunkt der ersten Impfung mit 8 oder 12
Wochen und/oder bei der Wurfabnahme.
Die häufigsten angeborenen Erkrankungen sind:
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1. Aortenstenose 2. Pulmonalstenose 3.
Persistierender Ductus arteriosus botalli (PDA) 4. Ventrikelseptumdefekt
(VSD) 5. Atriumseptumdefekt (ASD) |
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Die unter 1.-4. genannten Erkrankungen sind beim
Abhören als Herzgeräusch feststellbar. In Kombination mit dem Wissen
um eine evtl. vorhandene Rassedisposition, kann der Tierarzt eine relativ
genaue Verdachtsdiagnose stellen.
Bei den Erkrankungen 2. + 3. sind die Geräusche zum
Teil so typisch und/oder klassisch lokalisiert, dass durch die Auskultation
eine sehr genaue Diagnosestellung möglich ist. Nicht hörbar ist der
Vorhofseptumdefekt (5. ASD). Die Turbulenzen, die hier auftreten sind mit dem
normalen menschlichen Gehör kaum feststellbar.
Allen gemeinsam ist die Tatsache, dass man den Schweregrad
dieser Erkrankungen, der für die Prognose wichtig ist, durch Abhören
alleine nicht bestimmen kann. Vorsicht: "Ein Befund ist
noch keine Krankheit"
Nach der Feststellung eines Herzgeräusches sollte in
jedem Falle eine Bestimmung des Ortes und Schweregrades der unterliegenden
Erkrankung durchgeführt werden. Dieses ist am einfachsten und genauesten
mittels Herzultraschall (Echokardiographie) möglich. Mit dieser Methode
werden die meisten Diagnosen am Herzen gestellt.
Diagnostische Verfahren wie EKG oder
Röntgen bleiben z. B. bei Welpen mit Herzgeräuschen im
Allgemeinen ohne konkretes Ergebnis. Die Welpen sind beim ersten Abhören
mit 8 Wochen meistens noch beschwerdefrei, da Rhythmusstörungen oder
Stauungserscheinungen (z.B. Lungenwasser), die sich im weiteren Verlauf der
Herzerkrankung einstellen können, (noch) nicht vorliegen.
Der Herzultraschall zeigt im 2-dimensionalen Bild
den Herzmuskel, die Klappen und deren Bewegung. Durch Verwendung eines Dopplers
kann der Tierarzt den Blutfluss in seiner Qualität und Quantität
bestimmen. Hier gibt es verschiedene Verfahren. Der Farbdoppler ist
ein Verfahren, bei dem der Blutfluss farbig dargestellt wird. Man kann mit
entsprechender Erfahrung die für das Herzgeräusch verantwortliche
Turbulenz im Blutfluss erkennen und so den Ort der Erkrankung benennen. Um den
Schweregrad zu bestimmen ist es nötig den Spektraldoppler
(Schwarz-Weiß-Doppler) zu verwenden. Mit diesem Doppler kann man
über die Messung der Flussgeschwindigkeit den Druck bestimmen, der an der
erkrankten Stelle im Herzen zusätzlich aufgebaut wird. Dadurch ergibt sich
die Möglichkeit den Schweregrad der Erkrankung zu erfassen. Eine
Pulmonalstenose (Verengung der Lungenschlagader) bei einem Boxer von 2,5 m/sec
ist im Hinblick auf das weitere Vorgehen anders zu bewerten, als eine
Pulmonalstenose mit 7,5 m/sec, bei der das Erreichen des ersten Geburtstages
eher unwahrscheinlich ist.
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Farb- und Spektraldoppleraufnahme
einer angeborenen Herzerkrankung
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Die korrekte Verwendung der Dopplerverfahren ist relativ
schwierig und erfordert jahrelange Erfahrung des Untersuchenden. Der versierte
kardiologisch tätige Tierarzt oder Kardiologe kennt sich mit den
verschiedenen, hier auch nicht genannten Herzerkrankungen aus und kann Ihnen
nach der Untersuchung einen Plan für das weitere Vorgehen machen. Fragen
Sie Ihren Tierarzt. Lexikon: Herzerkrankungen - Begriffe
und Erklärungen
In der Kardiologie benennt der Arzt die Herzerkrankungen
nach dem Ort der Veränderung im Herzen und fügt dem, wenn
möglich, eine Ursache hinzu:
Bedeutet "angeboren" auch
"erblich"?
Wir unterscheiden bei der Beschreibung des Zeitpunktes des
Auftretens zwischen den angeborenen und den erworbenen
Herzerkrankungen. Die angeborenen sind zum Zeitpunkt der Geburt bereits
vorhanden und bleiben fast immer lebenslang bestehen und nachweisbar. Im
allgemeinen Sprachgebrauch hingegen wird einer angeborenen Herzerkrankung fast
immer eine Erblichkeit unterstellt. Die Tatsache, dass eine Herzerkrankung
angeboren ist; bedeutet aber nicht zwingend, dass diese auch erblich ist.
Beispiel: der ASD (Atrium-, Vorhofscheidewanddefekt) ist
ein Loch in der Scheidewand zwischen dem rechten und linken Vorhof. Dieses Loch
ist angeboren und damit zum Zeitpunkt der Geburt vorhanden. Einen Hinweis auf
Erblichkeit des ASD gibt es zur Zeit nicht.
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Bild: Loch im Herzen bei einem
Weimaraner
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Bei diesem 14 monatiger Weimaraner liegt ein Loch in der
Vorhofscheidewand vor. Dieses besteht seit der Geburt. Beim Abhören des
Hundes ist kein Geräusch festzustellen. Probleme traten erst seit 2 Wochen
in Erscheinung. Diese Diagnose ist allerdings relativ selten.
Der
Begriff "erworbene Herzerkrankung" impliziert im Sprachgebrauch genau
die umgekehrte Annahme. Bei dem Wort "erworben" denkt man zwangsläufig an
entzündliche und z.B. toxische Ursachen, die das Herz im Laufe des Lebens
schädigen. Das ist auch prinzipiell richtig, aber es gibt auch eine Reihe
genetisch bedingter (erblicher) Herzerkrankungen, die erst später im Leben
in Erscheinung treten.
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© 07/2009 |
Dr. med. vet. Jan-Gerd Kresken Fachtierarzt
für Kleintiere - Zusatzbezeichnungen: Kardiologie, Röntgenologie
& Sonographie Tierärztliche Klinik für Kleintiere am
Kaiserberg Wintgensstraße 81-83 47058 Duisburg www.tierklinik-kaiserberg.de/kardiologie
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Fotos |
Dr. med. vet. Jan-Gerd Kresken
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